Dienstag, 25. Februar 2014

Wie erzeugt man Atmosphäre in einem Text?

© Mascha Vassena

Man könnte es auch "Stimmung" nennen. Die Stimmung ist für mich die Basis, auf der jeder Text ruht, sie gibt den Ton vor, in dem erzählt wird.

Wie kann man Atmosphäre in eine Geschichte bringen?

Durch Details.

Stell’ dir die Szene in allen Einzelheiten vor. Und nicht vergessen, dass der Leser nicht nur sehen, sondern auch hören, schmecken, riechen und fühlen will.

Statt „Dass Wetter war scheusslich, deshalb blieb ich im Haus“ kannst du auch schreiben:
„Als ich die Tür öffnete, riss mir der Wind die Klinke aus der Hand und der Regen fuhr mir mit Eisfingern ins Gesicht. Ich packte die Tür, drückte sie wieder ins Schloss und ging zurück ins Wohnzimmer, wo im Kamin ein Feuer knisterte. Der Geruch der brennenden Scheite vermischte sich mit dem Duft von Apfelkuchen, den Mutter wohl gerade aus dem Ofen geholt hatte.“

Wenn die Handlung vorangetrieben werden soll, bremsen ausufernde Beschreibungen zu sehr. Trotzdem kann man Atmosphäre schaffen, indem man sich ein oder zwei Details herausgreift.
„Wir rangen miteinander, mein Bruder keuchte mir seinen Schnapsatem ins Gesicht. Ich sah das Messer erst, als es in der Sonne aufblitzte. Mit aller Kraft drückte ich ihn weg, er stolperte über die Borsteinkante und stürzte. Es knackte, als sein Hinterkopf auf dem Asphalt aufschlug. Hinter dem Zaun kläffte der Nachbarshund.“

Klang und Rhythmus tragen genauso zur Atmosphäre bei wie das, was beschrieben wird. Manchmal sind zusammenfassende Sätze, die nur aus Details bestehen, sehr wirkungsvoll:
„Den ganzen Sommer über hatten wir aufgeschürfte Knie. Wir lutschten Dolomiti-Eis und hatten die Hosentaschen voller Murmeln, tauschten Fussballbildchen und waren alle in Miriam verknallt, die auf ihrem gelben Fahrrad an uns vorbeirauschte, ohne uns auch nur zu bemerken.“

Bei aller Genauigkeit muss man darauf achten, eine Szene nicht zu überfrachten. Wie sich in einem Foto Licht und Schatten gegenseitig steigern, vertiefen auch beim Schreiben Kontraste die Atmosphäre. Meistens genügen wenige Details, um eine Stimmung zu schaffen.

Ganz gleich, auf welche Art man sie erzeugt: Atmosphäre gibt der Bühne die notwendige Tiefe und erzeugt den Raum, in dem die Figuren sich bewegen können.

Habt eine schöne Schreibwoche!

Montag, 17. Februar 2014

Plotten nach Modell?




Mit Plotmodellen hat sich nahezu jeder Autor schon beschäftgt, und bei vielen sind sie sehr beliebt als Handlungsgerüst. Plotmodelle funktionieren, weil sie bewährten Erzählstrukturen folgen, aber man darf nicht vergessen, dass sie, wie alle Modelle, zwangsläufig Vereinfachungen sind, sozusagen der kleinste gemeinsame Nenner.

Wer sich zu genau an die Vorgaben der „Heldenreise“ oder des „Fünf-Akt-Modells“ hält, behindert möglicherweise die innere Dynamik seiner eigenen Geschichte.
Wenn eine Geschichte mehr werden soll als nur ein ordentliches Stück Handwerk, braucht sie die Freiheit, ihrer inneren Notwendigkeit zu folgen. Nur so kann sie einen eigenen Zauber, ihren eigenen Rhythmus entwickeln.

Plotmodelle sind effizient, aber sie schränken auch ein. Versucht daran zu denken, wenn ihr eure Geschichte plant.

Mittwoch, 5. Februar 2014

"Das Schattenhaus" als Premium-Ausgabe bei Weltbild



Anna hat von ihrer Mutter ein altes Haus im Tessin geerbt und fährt mit ihrer 14jährigen Tochter Rike in die Schweiz, um es zu verkaufen. Doch auf dem Dachboden der verfallenen Villa lebt eine alte Frau – was weiß sie über die Vergangenheit von Annas Mutter? Als Rike verschwindet, wird Anna klar, dass sich jemand an ihrer Familie rächen will und das Schattenhaus noch viele Geheimnisse birgt.

Ein Roman über Traumata, die von einer Generation an die nächste weitergegeben werden, über Mütter und Töchter, Erinnerungen und Neuanfänge.

319 Seiten, 10,99 €

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