Dienstag, 19. März 2013

Leipzig 2013: Der vielsame Pinguin


Ich fühle mich in Leipzig immer wie ein einsamer Pinguin, der nach langer Zeit endlich wieder auf Artgenossen stößt: andere Schreiber (vor allem die Kollegen vom Montségur-Forum und die Leo-Gang), meine Agenten Michael Gaeb und Eva Semitzidou, Verlagsleute (wie Jürgen Kill von meinem früheren Verlag Liebeskind und die überaus sympathischen Menschen von Piper Pendo), dazu viele alte Freunde und neue Bekannte.

Zwei Tage, randvoll mit Begegnungen, manche nur flüchtig, manche intensiv. Tagsüber wechseln die Verabredungen im Halbstunden-Takt, aber abends sitzt man bis drei Uhr morgens oder länger  zusammen, redet über neue Projekte, Probleme und tauscht Branchenklatsch aus. Die Stimmung changiert zwischen Klassenfahrt und Familientreffen.

Da ich kein Buch vorzustellen hatte, weil "Die Prophezeiung der Seraphim" schon im Oktober 2012 erschienen ist, hatte ich keine Pflichttermine, sondern konnte ganz gemütlich hier und dort plaudern. Ein bisschen unwichtig fühlt man sich dennoch, wenn Kollegen von Lesung zu Interview zu Signierstunde hetzen. Aber nächstes Jahr habe ich wahrscheinlich auch einen frischen Roman im Gepäck und werde mich nach der entspannten Gangart diesen Jahres sehnen.

Samstags sind die meisten Verlagsleute und Agenten weg und die Messe gehört dem Publikum. Jetzt hat man zwischen den Verabredungen Zeit, auf Fotosafari zwischen den Cosplayern zu gehen, sich an den Ständen herumzutreiben und sich die eine oder andere Lesung anzuhören.

Doch nach mehreren Stunden ist die Aufnahmefähigkeit erschöpft, die Menge, die durch die Hallen strömt, wird immer zähflüssiger, die Luft immer stickiger. Zeit zu gehen, den letzten Abend in leipzig mit Kollegen zu genießen, sonntags auszuschlafen und sich ohne Stress auf die Heimreise zu begeben, den Kopf prallvoll mit Anregungen und Ideen.

Zuhause dann gleich die Unterkunft fürs nächste Jahr reservieren. Die günstigeren Hotels sind jetzt schon ausgebucht.

Donnerstag, 7. März 2013

Wort für Wort

Wenn man nicht nur zum eigenen Vergnügen schreibt, sondern für seinen Lebensunterhalt, muss man wirtschaftlich denken. Wie lange reicht der Vorschuss? Kann ich in dieser Zeit den Roman schreiben? Wann kann ich mit dem nächsten Projekt anfangen? Man beginnt, Rechnungen aufzustellen: Soundsoviele Seiten am Tag, dann müsste der Roman in der vorgesehenen Zeit fertig werden.

Sich ein Tagespensum zu geben, halte ich für eines der effektivsten Mittel, um kontinuierlich zu arbeiten. Ich schreibe jeden Tag auf, wie viele Zeichen ich getippt habe, und am Ende jeder Arbeitswoche addiere ich diese Zahlen. Mitunter ist das Ergebis mager, worauf mich das schlechte Gewissen packt und ich mich anstrenge, den Rückstand aufzuholen oder es zumindest mein Pensum zu erfüllen.

Aber manchmal hilft es nicht, guten Willens zu sein. Manchmal geht es einfach nicht voran. Dann ärgere ich ich mich, weil ich so uneffektiv bin. Wenn du dein Pensum erfüllt hättest, wärst du schon 50 Seiten weiter, flüstert es in meinem Kopf.

Aber es gibt da noch eine zweite Stimme, die sagt: Schreiben ist mehr als ein Job, dabei geht es nicht nur um Effizienz. Jede Geschichte verlangt ihren eigenen Rhythmus, und dem muss der Schreiber sich anpassen. Wichtig ist  nur, nicht aufzuhören, sondern weiterzuschreiben, und wenn es noch so langsam ist.

Vielleicht müssen manche Szenen langsam geschrieben werden, und statt sich über die eigene Langsamkeit aufzuregen, muss man es hinnehmen und sich Wort für Wort den Weg bahnen.

Herzliche  Grüße,

Mascha