Samstag, 30. April 2011

Sich selbst ein Rätsel sein

Also, ich bin ja Mitglied im Montségur-Autrenforum, und zwar begeistert. Wenn man ein schreiberisches Problem hat, sind dort immer genug Leute, um eine Diskussion dazu anzuzetteln. Un d dann hocken wir in der Runde und dröseln auf, welchen Effekt welche Perspektive hat, welche Wirkung man mit ineinander verschränkten Zeitebenen erzielt undsoweiter. Ich mag das wirklich gerne.
Aber manchmal möchte ich gar nicht so genau wissen, wie das Schreiben funktioniert. Zuzugeben, dass man eigentlich gar nicht genau weiss (diese Tastatur hat kein scharfes s), was man gerade macht, ist ja nachgerade peinlich, da man doch kompetent erscheinen will. Aber genau da wird es aufregend, beim Schreiben. Inzwischen geniesse ich es richtig, gelegentlch keine Ahnung zu haben, warum meine Figur X unbedingt ein Floss bauen und auf die bewaldete Insel vor der Küste fahren muss. Und woher kommt eigentlich auf einmal die Insel, von der ich bis gerade eben noch nichts wusste?
Dann folge ich eine Zeitlang beim Schreiben einfach nur den Bildern in meinem Kopf und dem Rhythmus der Worte, wobei mich eine unglaubliche Entdeckerlust befällt. Und oft sind diese Szenen die stärksten und  stossen ausserdem neue Türen innerhalb der Geschichte auf. Das sind die Momente beim Scheiben, die mich wirklich glücklich machen.

Mascha

Freitag, 29. April 2011

Wo kommen die Ideen her?

Ich bin ein lausiger Blogger. Was vielleicht damit zu tun hat, dass ich einen Roman fertig zu schreiben habe. Ich habe vor ziemlich genau einem Jahr angefangen, an meinem Fantasyroman zu arbeiten, und jetzt, 12 Monate und 330 Seiten später steht nur noch der große Showdown bevor. Zwanzig Seiten, die ich vor mir herschiebe mit dem Argument, ich läge gut in der Zeit. Ich liege gut in der Zeit, aber der wahre Grund ist ein anderer, fürchte ich: ich will mich nicht verabschieden.

Einerseits bin ich froh, die gewaltige Willensanstrengung, die das Schreiben eines Romans darstellt, beinahe hinter mir zu haben – andererseits wird dann meine Zeit mit dieser Geschichte unwiederbringlich vorbei sein. Deshalb gibt es für mich nur eine Möglichkeit: Mich sofort ins nächste Projekt zu werfen. Ich habe zwei Ideen, die schon ziemlich gut ausgearbeitet sind, und wenn ich an die denke, kribbelt es in meinen Fingerspitzen.

Wenn ich nur wüsste, für welche der beiden Geschichten ich mich entscheiden soll …

Gerade denke ich darüber nach, wie mir eigentlich die Ideen zu diesen beiden "Erzählkeimen" gekommen sind udn stelle fest, dass jeder einen ganz eigenen Weg gefunden hat, um sich in meinem Gehirn festzusetzen.

Die eine Geschichte ist aus der Lust entstanden, eine Welt zu erfinden. Mystisch sollte sie sein, aber dennoch nicht zu fremd, und sie sollte Teil unserer Welt sein, nur unbemerkt und unsichtbar unter ihrer Oberfläche verborgen. Diese Welt will ich zusammen mit meiner Hauptfigur entdecken.

Die andere Geschichte ist entstanden, weil ich mich in eine andere Welt begeben habe, nämlich in den Mikrokosmos einer Stadt, die ich bisher noch nicht kannte, und die mit Geheimnissen und Rätseln an jeder Ecke aufwarten kann. Der Zündfunke sprang vor einer Museumsvitrine aus meinem Kopf und bekam mit jedem Schritt, den ich machte, neue Nahrung. Auch hier geht es wieder um eine "fremde", mir unbekannte Welt, deren Geheimnisse ich entdecken möchte, zusammen mit meiner Hauptfigur.

Beide Male geht es darum, sich eine neue Welt anzueignen, sie mit Hilfe einer Geschichte lebendig werden zu lassen. Es erlaubt mir, aus meiner Welt heraus- und in eine fremde einzutreten, und genau das ist es wohl, was für mich das Schreiben so ungeheuer befriedigend macht.

Viele Grüße,

Mascha

Buchvorstellung: Eine Insel nur für Patti Lee





Da ich einen sechsjährigen Sohn habe, hat Kollegin Barbara Schinko vom Montségur-Forum mir ihr Kinderbuch "Eine Insel nur für Patti-Lee" geschickt. Eine Mut- und Starkmachgeschichte hat Barbara da geschrieben, und zimperlich war sie dabei nicht. Patti-Lee ist die Aussenseiterin in der Klasse und muss Einiges einstecken. Umso grausamer sind dann ihre Rachefantasien, wenn sie ihren Freund Käptn Yorick losschickt, der sich für sie an ihren Peinigern rächen soll.
Doch tatsächlich ist der furchtbare Pirat eigentlich nur die Vogelscheuche auf der Wiese, die Patti-Lee von ihrem Rückzugsort, dem Hochstand, überblickt, und darum ändert sich in ihrem Leben auch nichts. Bis sie einen Jungen kennenlernt, den sie am Anfang gar nicht mag. Doch die beiden werden Freunde, und Patti-Lee merkt, dass Freundschaft richtig stark machen kann. Jetzt nimmt sie die Dinge selbst in die Hand.

Mir hat vor allem die Mischung von Fantasie und Realität gefallen. De Autorin versteht es, diese beiden Ebenen ineinander zu verzahnen. Meinen Sohn hat allerdings genau das verwirrt. Dass die Blumenwiese gleichzeitig ein Meer sein soll, wollte ihm nicht einleuchten. Andere Kinder werden sicher genau das geniessen. Ein Buch, das auf fantasievolle Weise davon erzählt, dass man sich gegenseitig helfen kann, wenn man sich füreinander einsetzt.

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