Sonntag, 27. November 2011

Glitschiger Teig und Michelangelo

 
Kampf mit dem Teigmonster
Man sollte meinen, ein Autor kennte sein Thema, bevor er beginnt, eine Geschichte zu entwickeln, und soweit ich informiert  bin, ist das auch meistens so. Bei mir nicht. Wenn ich anfange, mir eine Geschichte auszudenken, habe ich keine Ahnung, worum es eigentlich geht.
 


Natürlich habe ich Figuren, die handeln, Ereignisse, die sich ereignen, Schauplätze und Gefahren und alles, was man so an Zutaten für einen Roman zusammenrührt, aber es dauert ziemlich lange, bis mir klar wird, was eigentlich das Thema ist, das hinter all den Ereignissen steckt. Bis dahin fühlt es sich an, als würde ich mit einem sehr voluminösen und sehr glitschigen Teig kämpfen, der sich einfach nicht in eine Form pressen lassen will.
Für mich ist diese Phase wahrscheinlich die wichtigste während der Planung einer neuen Geschichte, und wie beim Backen lässt sie sich nicht abkürzen. Erst wenn ich den Teig lange genug geschmeidig geknetet habe, kann ich ihn um den eigentlichen Kern der Geschichte herum formen.

Mir ist gestern klar geworden, worum es in meinem aktuellen Romanprojekt wirklich geht, und ich musste an Michelangelo Buonarotti denken, der gesagt haben soll, die Skulptur sei bereits im Marmor enthalten, er schlage nur noch das Überflüssige außenrum weg.

Womit ich mich ganz sicher nicht an Michelaneglos Seite platzieren möchte - aber ich weiß, was er damit gemeint hat.

Donnerstag, 24. November 2011

Schreibkick


Ich beschäftige mich zur Zeit intensiv mit dem Thema "Handlungsstränge" und wie man sie geschickt ineinander verwebt. Da es immer spannend ist, wie andere Autoren mit derartigen Herausforderungen umgehen, habe ich mich im Internet umgesehen und bin auf zwei Autorinnen gestoßen, die ausführlich und interessant über ihre Schreiberfahrungen plaudern.

Janice Hardy und R. L. LaFevers schreiben Fantasy für Jugendliche und haben sich nicht nur eine Menge Gedanken über das Schreiben gemacht, sondern teilen ihre Erfahrungen großzügig mit allen, die sich dafür interessieren. Sie bieten keine "so wird’s gemacht"-Anleitung, wie viele männliche Autoren, sondern berichten über ihre eigenen Schwierigkeiten beim Schreiben und welche Lösungen sie gefunden haben.

 Ich wünsche euch ertragreiches Stöbern und einen ordentlichen Schreibkick!

Mascha


Sonntag, 6. November 2011

Wie Ideen Flügel kriegen


Wie kommen die Ideen in den Kopf?
Keine Ahnung. Diese Antwort werden wahrscheinlich die meisten Autoren geben. Sie sind auf einmal da, und wenn sie gut sind, nisten sie sich ein. Anfangs sind sie aber sehr klein, die Ideen, und benötigen liebevolle Pflege, um zu wachsen. Erst, wenn sie stark genug sind, um einen Roman tragen zu können, dürfen sie raus aus dem Hirn und rein in den Rechner.

Was passiert, wenn man eine Idee zu früh aus dem Nest wirft?

Dasselbe wie mit einem kleinen Vogel, der noch nicht flügge ist: Sie stürzt ab, bevor sie die Flügel ausgebreitet hat. Es dauert seine Zeit, bis sie genug Muskeln bekommen hat, um tragfähig zu sein.

Im Montségur-Autorenforum haben wir uns darüber ausgetauscht und festgestellt, dass diese Phase des "Jagens und Sammelns" sehr wichtig ist - und dass man manchmal nicht genau sagen kann, ob wir die Ideen jagen oder sie uns. Nur zu früh aufs Papier dürfen sie nicht. Wenn man zu früh mit dem Schreiben beginnt, bleibt die Geschichte flach, weil ihre Teile nicht genug Zeit hatten, zusammenzuwachsen. Idee, Figuren, Plot - all das ist anfangs alles andere als eine Einheit.

Wie trainiert man einer Idee Muskeln an?

Indem man sich so viel wie möglich mit seinem Thema beschäftigt. Darüber liest, sich Filme ansieht, sich an Orten herumtreibt, wo die Geschichte spielt. Manche Autoren nennen das Recherche, aber das klingt mir persönlich zu sehr nach gezielter Suche. Ich würde es als "Durchlässigkeit" bezeichnen: Man muss sich öffnen für das, was man findet, aber nicht gesucht hat. Deshalb muss man seine Idee in dieser Phase mit sich herumtragen wie ein Baby im Tragetuch - ständiger Kontakt ist das Wichtigste, damit die Idee alle Einflüsse aufnehmen kann, die sie wachsen lassen.

Wann ist es Zeit, die Idee aus dem Kopf zu lassen?
Erst dann, wenn es nicht mehr anders geht. Man hat sich Notizen gemacht, herumgekritzelt, Stichwörter notiert - aber ans Schreiben geht es erst, wenn die Geschichte von selbst mit solcher Macht nach Draußen drängt, dass einem sonst der Kopf platzen würde.

Und dann?
Es gibt zwar "Bauchschreiber", die einfach den Bildern in ihrem Kopf folgen, aber die meisten Autoren werden einen Kapitel- oder Szenenplan verfassen, an dem sie entlangschreiben können. Konstruktionsmängel können so rechtzeitig erkannt werden, während man beim Drauflosschreiben mühsam an seinem Text herumflicken muss, weil man sie meistens erst entdeckt, wenn die Geschichte die Bruchlandung schon erlitten hat.
Welche Methode man bevorzugt, hängt  von der Persönlichkeit des Autors ab; manche arbeiten lieber nach, als vorab schon genau zu wissen, was passieren soll. Allerdings habe ich den Eindruck, dass erfolgreiche Autoren selten Bauchschreiber sind.

Mit einem durchdachten Szenenplan, der genügend Spielraum für spontane Entwicklungen lässt, hat die Idee ein Sicherheitsnetz und kann sich unbesorgt in die Lüfte schwingen. Das Hochgefühl, wenn sie die Flügel ausbreitet und tatsächlich fliegt, ist wahrscheinlich das, wonach wir Schreiber süchtig sind.

Sonntag, 18. September 2011

Fertig ist noch lange nicht fertig: Überarbeiten

Wenn man das letzte Wort eines Romans geschrieben und den letzten Punkt dahinter gesetzt hat, wiegt man sich als Autor gerne in der Illusion, dass der Text nun fertig wäre. Diese kuschelige Phase dauert meistens so lange, bis man eine Mail vom Lektorat bekommt, den Anhang öffnet, "view comments" anklickt und feststellt, dass man noch lange nicht durch ist mit dem Text. Natürlich wusste man genau, dass er alles andere als fertig ist, viele seiner Schwächen kennt man ganz genau, man hat das aber verdrängt, so lange es ging. Geht aber jetzt nicht mehr.

Jetzt beginnt die Überarbeitungsphase, die sich bei mir dadurch auszeichnet, dass ich den Rechner einschalte, mich davor setze und mir drei Folgen meiner Lieblings- Sitcom hintereinander ansehe. Währenddessen habe ich die ganze Zeit das Gefühl, dass jemand hinter mir steht und mir in regelmäßigen Abständen auf den Scheitel tippt. Nach einer Weile nervt dieses Gestupse mich dermaßen, dass ich es nicht länger ignorieren kann. Ich will aber noch nicht anfangen. Auf keinen Fall. Jedenfalls nicht sofort. Denn das würde bedeuten, dass ich meinen schönen, fertigen Text zerpflücken müsste wie eine Scheibe Toast. Das kann ich nicht. Unmöglich.

Ich weiss aber, dass ich nicht drumherum komme, meine Geschichte zu überabeiten, weil sie danach viel, viel besser sein wird als vorher. Also muss ich mich reinlegen. Ich sage mir, dass ich keinewegs mit dem Überarbeiten anfange, aber ich könnte schonmal ein neues Dokument anlegen, in das ich den Roman ins einem aktuellen Zustand hineinkopiere. Mit dem Autorenprogramm Scrivener geht das ganz toll, weil ich die Kapitel als getrennte Dokumente anlegen, aber jederzeit auf jedes Kapitel zugreifen kann. Aber ich überarbeite nicht, nein!

Aber wenn ich schon mal dabei bin, könnte ich ja wenigstens die fraglichen Stellen markieren. Mit Pink, damit sie mir ins Augen springen und sich darin festkrallen, wann immer ich mein Dokument öffne. Das ist alles nur Vorbereitung, sage ich mir, und hat absolut nichts mit Überarbeiten zu tun. Jetzt bin ich aber gerade im Text drin, also schreibe ich mir auf, was ich ändern will, damit ich am nächsten Tag nicht von vorne anfangen muss. Dafür gibt es in Scrivener eine Spalte am rechten Rand jedes Kapitel, in die ich stichpunktartig hinein schreibe, was ich ändern möchte. Den Text selbst lasse ich, wie er ist, denn wenn ich erst damit anfange, wird daraus ein Trümmerhaufen aus Wörtern. Und diese Vorstellung ist furchtbar.

Also erstmal einen Blogbeitrag schreiben. Übers Überarbeiten. Und inzwischen hat sich eine neue Folge der Lieblings-Sitcom runtergeladen, die muss ich noch schnell ansehen. Und danach wird es keine Ausreden mehr geben. Dann werde ich das Messer nehmen und meinen Text aufschneiden, ihm das Fett absaugen, ihn straffen und liften, bis er perfekt ist. Und wenn ich mit ihm fertig bin, wird man keine Narben sehen, er wird so wunderbar glatt sein wie zuvor. Nur besser.

Mittwoch, 22. Juni 2011

Wäre wenn

Irgendwie steckt in jedem von uns ein ungelebtes Leben. Und manchmal helfen Bücher uns dabei, uns für eine kurze Zeit wie die Person zu fühlen, die wir hätten sein können. Wenn nicht …

Dienstag, 7. Juni 2011

Lektüre: Moira. Die Reise zum Nullpunkt der Welt

Es gibt Bücher, de man unbedingt im Schrank stehen haben möchte. Dieses ist eines meiner liebsten, war lange Zeit nur antiquarisch zu bekommen, wurde aber vor drei Jahren neu aufgelegt:
Moira. Die Reise zum Nullpunkt der Welt

Für mich noch heute eines der schönsten Bücher, die ich je gelesen habe. Es ist tiefgründig, ergreifend und spannend, in einer durch und durch poetischen Sprache geschrieben.

Der 12jährige Stefan Winter kann der Macht nicht widerstehen, die die Eisheiligen von Terrania ihm versprechen. Sie wollen eine neue Eiszeit erzeugen und damit alle Gefühle und sogar die Zet einfrieren. Erst nach und nach erkennt Stefan, dass er auf der falschen Seite steht, aber dann macht er sich auf die Reise zum Nullpunkt der Welt, um das Unheil abzuwenden.

Zeitlose Fantasy abseits jeder Mode.

Unbedingt zur Lektüre empfohlen, ganz gleich, wie alt man ist.

Mascha

Sonntag, 5. Juni 2011

Nennt mich George

Als ich zehn war, hatte ich eine Hörspielkassette von "Moby Dick", die ich immer und immer wieder hörte, ohne dass sie mir jemals langweilig geworden wäre. Und heute noch überläuft mich ein Schauer, wenn ich an den ersten Satz denke: "Nennt mich Ismael".
Abgesehen davon, dass Mr. Melville hier ganz locker einen der besten Romananfänge aller Zeiten hinlegt, hat es mir der Name Ismael stets angetan. Ich hatte sofort eine Vostellung von diesem Ismael, ohne genau zu wissen, wie er aussehen sollte. Eher eine Vorstellung davon, was für ein Typ er war. Ein Ismael eben (umso mehr, da er sich diesen Namen womöglich selbst gegeben hat).

Zur Zeit bin ich dabei, eine neue Geschichte auszutüfteln, und nicht zum ersten Mal stelle ich fest, dass ich, bevor ich damit anfangen kann, wissen muss, wie meine Leute heissen. Es soll Autoren geben, die erst den ganzen Roman schreiben und dann mit "suchen und ersetzen" die richtigen Namen für ihre Figuren eingeben - ich kann das nicht, weil ich glaube, dass es für jede Figur nur einen möglichen Namen gibt.

Manchmal irre ich mich und wundere mich, weshalb eine Figur so steif durch meine Handlung stakst wie ein Wäscheklammermännchen, bis mir klar wird, dass sie den falschen Namen trägt. Und dann kann ich so lange nicht weiterschreiben, bis ich ihn habe, DEN Namen.

Ich frage mich, was passiert wäre, wenn Mr. Melville so begonnen hätte: "Nennt mich George."
Ich bin ganz sicher, wir würden heute unter dem Titel "Moby Dick" ein völlig anderes Buch kennen.

Einen schönen Wochenanfang wünscht

Mascha

Freitag, 27. Mai 2011

Das ist das Ende, mein Freund

Da hat man seine Figuren durch etliche Gefahren gesteuert, sie sich entwickeln lassen und in den grossen Showdown geführt, und dann steht einem nur noch eines bevor: Den letzten Satz zu schreiben.
Erste Sätze fallen mir leicht, bekanntlich wohnt ja jedem Anfang ein Zauber inne. Ein erster Satz ist wie ein Luftkissenboot, das mich in die Geschichte hineinträgt. Aber letzte Worte verlangen nach Bedeutungsschwere, nach Endgültigkeit. Sehr, sehr schwer.
Was ist ein guter letzter Satz? Einer, der andeutet, wie die Geschichte weitergehen könnte? Einer, der den Leser mit vielen Fragen zurücklässt? Oder einer, der alle Fragen beantwortet?
Ich glaube, für jede Geschichte gibt es den zwingenden letzten Satz, aber der versteckt sich gerne und ist nur durch äusserste Hartnäckigkeit hervorzulocken. Da muss der Autor sich mit einem Stückchen Wurst vors Mauseloch setzen und sehr, sehr viel Geduld haben. Ich sitze jetzt schon zwei Wochen da und mir schlafen allmählich die Waden ein. Aber ich kriege ihn, das ist mal sicher.

Samstag, 30. April 2011

Sich selbst ein Rätsel sein

Also, ich bin ja Mitglied im Montségur-Autrenforum, und zwar begeistert. Wenn man ein schreiberisches Problem hat, sind dort immer genug Leute, um eine Diskussion dazu anzuzetteln. Un d dann hocken wir in der Runde und dröseln auf, welchen Effekt welche Perspektive hat, welche Wirkung man mit ineinander verschränkten Zeitebenen erzielt undsoweiter. Ich mag das wirklich gerne.
Aber manchmal möchte ich gar nicht so genau wissen, wie das Schreiben funktioniert. Zuzugeben, dass man eigentlich gar nicht genau weiss (diese Tastatur hat kein scharfes s), was man gerade macht, ist ja nachgerade peinlich, da man doch kompetent erscheinen will. Aber genau da wird es aufregend, beim Schreiben. Inzwischen geniesse ich es richtig, gelegentlch keine Ahnung zu haben, warum meine Figur X unbedingt ein Floss bauen und auf die bewaldete Insel vor der Küste fahren muss. Und woher kommt eigentlich auf einmal die Insel, von der ich bis gerade eben noch nichts wusste?
Dann folge ich eine Zeitlang beim Schreiben einfach nur den Bildern in meinem Kopf und dem Rhythmus der Worte, wobei mich eine unglaubliche Entdeckerlust befällt. Und oft sind diese Szenen die stärksten und  stossen ausserdem neue Türen innerhalb der Geschichte auf. Das sind die Momente beim Scheiben, die mich wirklich glücklich machen.

Mascha

Freitag, 29. April 2011

Wo kommen die Ideen her?

Ich bin ein lausiger Blogger. Was vielleicht damit zu tun hat, dass ich einen Roman fertig zu schreiben habe. Ich habe vor ziemlich genau einem Jahr angefangen, an meinem Fantasyroman zu arbeiten, und jetzt, 12 Monate und 330 Seiten später steht nur noch der große Showdown bevor. Zwanzig Seiten, die ich vor mir herschiebe mit dem Argument, ich läge gut in der Zeit. Ich liege gut in der Zeit, aber der wahre Grund ist ein anderer, fürchte ich: ich will mich nicht verabschieden.

Einerseits bin ich froh, die gewaltige Willensanstrengung, die das Schreiben eines Romans darstellt, beinahe hinter mir zu haben – andererseits wird dann meine Zeit mit dieser Geschichte unwiederbringlich vorbei sein. Deshalb gibt es für mich nur eine Möglichkeit: Mich sofort ins nächste Projekt zu werfen. Ich habe zwei Ideen, die schon ziemlich gut ausgearbeitet sind, und wenn ich an die denke, kribbelt es in meinen Fingerspitzen.

Wenn ich nur wüsste, für welche der beiden Geschichten ich mich entscheiden soll …

Gerade denke ich darüber nach, wie mir eigentlich die Ideen zu diesen beiden "Erzählkeimen" gekommen sind udn stelle fest, dass jeder einen ganz eigenen Weg gefunden hat, um sich in meinem Gehirn festzusetzen.

Die eine Geschichte ist aus der Lust entstanden, eine Welt zu erfinden. Mystisch sollte sie sein, aber dennoch nicht zu fremd, und sie sollte Teil unserer Welt sein, nur unbemerkt und unsichtbar unter ihrer Oberfläche verborgen. Diese Welt will ich zusammen mit meiner Hauptfigur entdecken.

Die andere Geschichte ist entstanden, weil ich mich in eine andere Welt begeben habe, nämlich in den Mikrokosmos einer Stadt, die ich bisher noch nicht kannte, und die mit Geheimnissen und Rätseln an jeder Ecke aufwarten kann. Der Zündfunke sprang vor einer Museumsvitrine aus meinem Kopf und bekam mit jedem Schritt, den ich machte, neue Nahrung. Auch hier geht es wieder um eine "fremde", mir unbekannte Welt, deren Geheimnisse ich entdecken möchte, zusammen mit meiner Hauptfigur.

Beide Male geht es darum, sich eine neue Welt anzueignen, sie mit Hilfe einer Geschichte lebendig werden zu lassen. Es erlaubt mir, aus meiner Welt heraus- und in eine fremde einzutreten, und genau das ist es wohl, was für mich das Schreiben so ungeheuer befriedigend macht.

Viele Grüße,

Mascha

Buchvorstellung: Eine Insel nur für Patti Lee





Da ich einen sechsjährigen Sohn habe, hat Kollegin Barbara Schinko vom Montségur-Forum mir ihr Kinderbuch "Eine Insel nur für Patti-Lee" geschickt. Eine Mut- und Starkmachgeschichte hat Barbara da geschrieben, und zimperlich war sie dabei nicht. Patti-Lee ist die Aussenseiterin in der Klasse und muss Einiges einstecken. Umso grausamer sind dann ihre Rachefantasien, wenn sie ihren Freund Käptn Yorick losschickt, der sich für sie an ihren Peinigern rächen soll.
Doch tatsächlich ist der furchtbare Pirat eigentlich nur die Vogelscheuche auf der Wiese, die Patti-Lee von ihrem Rückzugsort, dem Hochstand, überblickt, und darum ändert sich in ihrem Leben auch nichts. Bis sie einen Jungen kennenlernt, den sie am Anfang gar nicht mag. Doch die beiden werden Freunde, und Patti-Lee merkt, dass Freundschaft richtig stark machen kann. Jetzt nimmt sie die Dinge selbst in die Hand.

Mir hat vor allem die Mischung von Fantasie und Realität gefallen. De Autorin versteht es, diese beiden Ebenen ineinander zu verzahnen. Meinen Sohn hat allerdings genau das verwirrt. Dass die Blumenwiese gleichzeitig ein Meer sein soll, wollte ihm nicht einleuchten. Andere Kinder werden sicher genau das geniessen. Ein Buch, das auf fantasievolle Weise davon erzählt, dass man sich gegenseitig helfen kann, wenn man sich füreinander einsetzt.

Amazon-Link zum Buch

Sonntag, 30. Januar 2011

Durchmogeln klappt nie

Projekt J ist in der ersten Fassung zu drei Vierteln fertig, bzw. war es, bis ich mich heute an Rechner gesetzt habe und angefangen habe, es zu überarbeiten. Jetzt hat ers 30 000 Zeichen weniger. Zwanzig Seiten – einfach weg, und damit habe ich ihm etwas Gutes getan. Dem Roman.

Ich merke immer genau, wo mein Text nicht nicht stimmt, und ich wusste schon die ganze Zeit, wo es hakte. Nur dachte ich, ich könnte mich durchmogeln. Durchmogeln klappt aber nie. Beim Durchlesen bleibe ich an den Mogelstellen hängen. Hier hast du es dir aber einfach gemacht, steht zwischen den Zeilen. Und dann setze ich mich noch einmal dran, und noch einmal, und wenn es sein muss, noch einmal.

Dabei geht es fast nie um sprachliche Probleme, sondern um Ideen. Wie bringe ich meine Figur in eine bestimmte Position, um diese oder jene Handlung glaubwürdig zu unterfüttern? Meine Geschichte soll an einer bestimmten Stelle eine neue Wendung nehmen. Die Art, wie das passiert, hat mich bisher nicht überzeugt. Ich wusste, ich kann etwas Besseres finden.

In solchen Situationen hilft nur eines: Das Notizbuch. Damit lege ich mich aufs Bett, nehme einen schwarzen Kugelschreiber (richtig tiefschwarz muss er schreiben, aber nicht zu fett – gar nicht so leicht aufzutreiben). Und dann fange ich an, mir Notizen zu machen. Hinterher tut mir der Rücken weh, weil es ziemlich unbequem ist, auf dem Bauch zu liegen und zu schreiben, aber so kommen mir einfach die besten Ideen. Todsicheres Rezept, klappt immer. Wenn ich den Stift ansetze, habe ich keine Ahnung, was dabei herauskommt. Aber es kommt.

Ich vermute, ich ziehe diese Dinge aus dem Kollektiven Bewusstsein, ungefähr so, wie man eine Packung Zucker aus dem Küchenschrank holt, von der man nicht mehr genau weiss, wo man sie hingestellt hat.

Dieses Mal brauchte ich eine Idee, wie ich meine Figur zum Seitenwechsel motivieren konnte. Und ich bekam eine. Die zusätzlich ein Problem mit einer Nebenfigur löste, an dem ich mir seit Wochen die Zähne abschleife. Zwei auf einen Streich, wunderbar.

Jetzt frage ich mich, weshalb mir diese Idee nicht bereits vor einem halben Jahr gekommen ist. Dann hätte ich nämlich heute nicht 30 000 Zeichen löschen müssen und mir eine Menge Arbeit gespart. Froh bin ich trotzdem. Weil meine Geschichte jetzt glaubwürdiger wird, eleganter und spannender. Hoffe ich.

Danke, Kollektives Bewusstsein.