Dienstag, 11. Mai 2010

Lückenfüller

Mitte Mai sollen die 50 Seiten Probetext fertig sein, habe ich versprochen, und wie es aussieht, halte ich den Termin ein.
Warum gefällt es mir so gut, den Text das erste Mal auszudrucken? Wahrscheinlich, weil er plötzlich real wird und ich an der Dicke des Papierstapels sehen kann, was ich geschafft habe.
Jetzt bin ich dabei, die Korrekturen in den Rechner zu übertragen (Leute, kauft Scrivener, das Geld lohnt sich). Ich bin unsicher, ob der Anfag nicht zu schnell ist, aber ich wollte sofort mitten in die Welt und Zeit von J hineingehen.
Auf den ersten 20 Seiten passiert viel, gleichzeitig werden die Personen eingeführt. Ich weiss noch nicht, ob ich das etwas entzerren muss, damit nicht zu viel Information auf einmal auf den Leser einstürzt. Aber eigentlich passt das Erzähltempo zu meiner Hauptfigur J.
Dafür lässt sich das zweite Kapitel, aus der Sicht der zweiten Hauptfigur geschrieben, gemächlicher an. Passt auch, denn R ist passiver als J. Eigentlich gefallen mir die unterschiedlichen Erzählgeschwindigkeiten gut und ich will sie weiter einsetzen. Nur muss ich darauf achten, dass das nicht schematisch wird, sonst wird es schnell langweilig.

Mein größtes Problem mit dem Anfang ist, dass ich so viel Information unterbringen muss, mich aber nicht mit langen Erklärungen aufhalten will. Den historischen Hintergrund muss ich zumindest anreissen, weil der die Handlung direkt beeinflusst. Und dann sind da noch die Fabelwesen, die Magie und ihre spezielle Art zu funktionieren. Aber J wird davon genauso überrumpelt wie der Leser, deshalb passt es vielleicht ganz gut.

Schön ist, dass ich jetzt genau weiss, wie es weitergeht. Bis gestern hatte ich noch eine Lücke zwischen Anfang und dem zweiten Teil. Jetzt freue ich mich auf Kapitel 4.

Gestern habe ich mich aber auch furchtbar geärgert: ich hatte einen fantastischen Titel, musste aber festestellen, dass es schon einen Fantasyroman mit diesem Titel gibt. Ist zwar vergriffen, aber da ist wohl nichts zu machen.

Dienstag, 4. Mai 2010

Hinreden hilft

Ich habe im Internet recherchiert und einige historische Werke gelesen. Ich habe meine Geschichte durchgeplant. Ich habe die Figuren entwickelt. Und jetzt habe ich mich ins kalte Wasser geworfen und angefangen zu schreiben.

Nennen wir es "Projekt J".
Es ist mein erster Roman, der sich ins Genre "Fantasy" einordnen lässt – mir ist "Phantastische Literatur" lieber, denn meine Geschichte spielt nicht in fernen Welten, sondern in unserer, wenn auch in einer vergangenen Epoche. Ganz Europa wurde damals mitgerissen von Umwälzungen, die niemand hatte voraussagen können. Und meine beiden Helden, ein fünfzehnjähriges Zwillingspaar, geraten mitten hinein.

Die ersten 35 Seiten gingen ziemlich leicht von der Hand. Und dann ging auf einmal gar nichts mehr. Ich hatte meine Geschichte, ich wusste, was geschehen sollte, dennoch kam ich nicht weiter. Fragen, die gelöst zu haben glaubte, tippten mir auf die Schulter und wollten beantwortet werden.

Wieso sagt X nicht, wer Y wirklich ist? Wie kommt es dazu, dass Y den Plan von T  in die Hände bekommt? Und warum hält Z sich aus der Sache raus, obwohl sie eigentlich Bescheid weiss?

Eigentlich hatte ich gedacht, diese Fragen en passant beantworten zu können, aber so einfach war es nicht. Ich hatte geplant, WAS geschehen, aber nicht exakt genug, WIE es dazu kommen sollte. Die Zahnräder meiner Geschichte waren nicht hundertprozentig aufeinander abgestimmt, es krachte im Getriebe.

Was macht man am besten, wenn man am Schreibtisch sitzt und alleine nicht weiterkommt? Man spricht mit jemandem. Nachdem ich Eva von der Agentur mit einer verzweifelten Mail beschossen hatte, kam zum Glück mein Mann nach Hause. Eigentlich brauchte ich keinen Gesprächspartner, sondern jemanden, an den ich laut hindenken konnte. Es genügte, dass mein Mann ab und zu nickte und sagte "klingt plausibel". Ausserdem hatte er noch eine wirklich gute Idee, die ein Hauptproblem löste (woher weiss Y, was T geplant hat?). Danke! Das war sein Geschenk zu unserem sechsten Hochzeitstag, an den wir uns zum ersten Mal rechtzeitig erinnert haben (obwohl ich mir zuerst nicht ganz sicher war, ob wir wirklich am 3. Mai gehiratet haben), aber das nur am Rande.

Meine Probleme waren gelöst. Hurra! Und plötzlich ging es wieder. Ich bekam richtig Lust, weiterzumachen und habe heute Morgen eine schöne Szene geschrieben. Nämlich die, in der Y erfährt, wer sie wirklich ist. Harter Stoff.

Und hiermit kehre ich zurück zu meinem Manuskript.